Lernpfad zur Honiggewinnung, Verarbeitung und Verkauf
Autor(en): Dirk Liesch
Hinweis: aktuell noch in Bearbeitung !
Einführung
Dieser Lernpfad wird für den „Honiglehrgang“ des Landesverbandes Sächsischer Imker (LVSI) gepflegt und bereitet auch auf die Prüfung für den „Fachkundenachweis Honig“ des Deutschen Imkerbundes (D.I.B.) vor. Der ist notwendig, um Honig im D.I.B.-Glas abfüllen zu dürfen. Er ist aber auch für alle Neu-Imkerinnen (und Bestands-Imker) interessant, da auf dem Weg von der Honigwabe bis zum gesetzeskonformen Verkauf (oder Weitergabe) von Honig einiges Wissen erforderlich ist (auch wenn man nicht im D.I.B.-Glas abfüllt). Alternativ kann das gesamte prüfungsrelevante Wissen auch über den online-Kurs der „Honigmacher“ gelernt werden: Fachkundenachweis Honig des deutschen Imkerbundes e.V.
Es gibt Wissenswertes zum Honig selbst, aber auch zur Ernte, zur Verarbeitung, zur Lagerung, Vermarktung und zu den gesetzlichen Vorschriften. Es werden unterschiedliche Methoden und Herangehensweisen vorgestellt, oft durch Einbindung ausgewählter externer Videos (u.a. Informationsquellen), die den Bezug zur praktischen Umsetzung herstellen. Da das teilweise weit über die reinen „Prüfungsinhalte“ des „Fachkundenachweis Honig“ hinausgeht, wird hier am Ende eine Zusammenfassung angefügt, welche Informationen „prüfungsrelevant“ sind.
Honig (Link zu Wikipedia) ist das wichtigste und bekannteste Bienenprodukt. Er ist eng mit der Honigbiene verbunden und der Grund der jahrtausende alten Beziehung zwischen Mensch und Honigbiene. In diesem Abschnitt seht und lest ihr, woher Honig kommt, wie er aus Nektar oder Honigtau entsteht und wie er reift.
Was ist Honig und was kann man damit machen? „Honig“ (https://sol.open-academy.com/honig/) ist eine online Information, für die Genießer eures Honigs (Kunden, Familie, Bekannte), die ihr direkt weitergeben könnt (z.B. über den Sticker ganz am Ende nach den Honig-Rezepten).
Anhand von Videos werden unterschiedliche relevante Möglichkeiten der Honigentnahme gezeigt, die so in der Praxis „nachgemacht“ werden können. Die Varianten mit und ohne Bienenflucht werden gegenübergestellt.
Im textlich fachlichen Teil dieses Abschnitts wird auf entsprechende Abschnitte in den Bereich „Ernte und Lagerung des Honigs“ (die-honigmacher.de) verlinkt.
Ausführlich wird im Abschnitt „Abfüllen und Etikettieren“ (die-honigmacher.de) beschrieben, was beim Abfüllen und Etikettieren zu beachten ist, wobei hier ein Fokus auf der Abfüllung und Etikettierung im D.I.B. Glas liegt. Das Thema der Lagerung ist dort im Abschnitt „Honigpflege und Lagerung“ allgemeingültig und ausführlich erklärt.
In dem Abschnitt sind neben den Videos zu unterschiedlichen Betrachtungen zur Honigqualität auch die wichtigsten Kriterien zur Abfüllung im D.I.B. -Glas im Vergleich zur Honigverordnung beschrieben. Ausführlich und fachlich korrekt sind im Abschnitt „Honigqualität“ (die-honigmacher.de) die Aspekte rund um die Honigqualität in folgenden Abschnitten vorwiegende textlich beschrieben:
Es lohnt sich, sich in einer ruhigeren Phase des Bienenjahres einmal die Zeit zu nehmen, diesen gesamten Bereich zu lesen. Es lässt sich viel über Honig und darüber hinaus auch zur Lebensmittelsicherheit lernen.
die für die Vermarktung von Honig interessant sein könnten
Fachkundenachweis Honig – Prüfungsvorbereitung
Was ist das essentielle Wissen, welches ihr für die Prüfung/Test für den „Fachkundenachweis Honig“ braucht:
Gesetzliche Vorschriften: Selbstverständlich müsst ihr die gesetzlichen Vorschriften kennen, die für Honig von der Entstehung bis zur „In Verkehr Bringung“ gelten. Das sind nicht nur die Auszeichnungspflichten auf dem Etikett und die Grenzwerte nach der Honigverordnung oder für Abfüllung ins D.I.B. Glas.
Hygiene Vorschriften: auch die Anforderungen an die Hygiene, von der Ernte des Honigs, über die Verarbeitung bis zum Verkauf solltet ihr wissen. Dazu gehören auch die jeweiligen Räumlichkeiten, Schutzkleidung, persönliche Hygiene u.ä.
Bestandteile, Zusammensetzung, Inhaltsstoffe und Eigenschaften des Honigs: Dazu gehört nicht nur, dass man Nektar oder Honitau und die unterschiedlichen Zucker-Arten erklären kann, sondern auch, was z.B. HMF oder Invertase ist und was uns diese Qualitätskriterien über den Honig aussagen.
Die Grenzwerte für Honig: nach der Honigverordnung und für die Abfüllung im D.I.B.-Glas müsst ihr kennen.
Prozess vom Honig bis in Glas: Ihr müsst den Gesamt-Prozess kennen und die Zusammenhänge verstanden haben, von der Sammlung des Nektars/Honigtaus durch die Bienen, über die Reifung des Honigs, die Ernte, die Schleuderung und Verarbeitung (Sieben/Rühren), die Kristallation, Abfüllung, Etikettierung und Lagerung.
Grenzwerte bestimmen und messen: Wie können relevante Grenzwerte bestimmt, bzw. abgeschätzt werden, z.B. Wassergehalt, Sortenzugehörigkeit, Abfüllmenge etc.
D.I.B.-Glas Vorschriften und Richtlinien: Alles was einzuhalten ist, um ins D.I.B.-Glas abfüllen zu dürfen.
Autor: Dirk Liesch (mit KI Unterstützung, ChatGPT)
Hinweis: Wer eine (großartige) fachlich detaillierte, gut strukturierte und umfassende Information zu Honig sucht, findet diese im Wikipedia-Artikel zu Honig. (Entstehung, Geschichte, Gewinnung und Verarbeitung, Inhaltsstoffe, Wirtschaftliche Bedeutung, Nutzung, Lebensmittelrecht, Honigfälschungen, gesundheitliche Risiken beim Genuss usw.) Der Artikel ist nahe an „vollständig“ … aber deshalb auch sehr lang.
Deshalb gibt es hier eine unterhaltsamere, kürzere Version, die den Fokus mehr auf Genuss und Freude legt.
Honig – Arbeit, Zauber, Genuss
Honig ist mehr als nur ein Brotaufstrich: er ist das flüssige Ergebnis Milliardenfacher Teamarbeit, ein haltbares Nahrungsmittel, ein Handwerksprodukt des Imkers, ein seit Urzeiten geschätztes Heilmittel und eine kulinarische Verführung.
Wenn eine einzelne Biene zum Blütenkelch ansetzt, beginnt eine Kette von Ereignissen — Sammeln, Weitergeben, Trocknen, Lagern — die im Bienenstock in einem goldenen Glanz endet.
Für uns Menschen ist Honig zugleich Rohstoff und Ritual: er süßt unseren Tee, gibt Backwaren Farbe und Feuchtigkeit, heilt Wunden und erzählt von Landschaften — von Wildkleewiesen bis zu exotischen Blütenwäldern. In jedem Glas steckt also Natur, Kultur, Arbeit und eine ganze Portion Imkergeschick: die Biene bringt den Rohstoff, die Stockgemeinschaft wandelt ihn um, der Imker erntet, verarbeitet und veredelt ihn — und wir genießen.
Gut und kurz erklärt, wie der Honig von der Blüte ins Glas kommt, ist es im folgenden Video aus der Sendung mit der Maus (Dauer: 6:57 min):
Kurzgeschichte des Honigs — von der Steinzeit bis zum Supermarkt
Mesolithic rock painting of a honey hunter harvesting honey and wax from a bees nest in a tree. At Cuevas de la Araña en Bicorp. (Dating around 8000 to 6000 BC)
Lange bevor der Mensch Felder bestellte oder Brot buk, bevor er Worte für „Süß“ kannte, folgte er bereits dem Summen. In der flackernden Hitze der Steinzeit kletterte ein Jäger barfuß an einer Felswand empor, Rauch im Arm, die Haut zerkratzt, die Augen auf eine dunkle Höhle gerichtet. Dort, verborgen im Gestein, lag das Gold der Wildnis: Honig. Ein riskanter Raub, begleitet von Stichen und Mut — doch der Lohn war unvergleichlich. Süße bedeutete Energie, Leben, Überleben. Honig war Zauber und Nahrung zugleich.
Jahrtausende später floss Honig durch die Tempel Ägyptens. Er wurde den Göttern geopfert, den Toten mit ins Grab gegeben und den Lebenden als Medizin gereicht. Pharaonen ließen ihn in Amphoren lagern, und selbst nach Jahrtausenden blieb er genießbar — ein flüssiger Beweis seiner Unsterblichkeit. Die Griechen erklärten Honig zur Speise der Götter: Ambrosia. Athleten stärkten sich damit vor Wettkämpfen, Dichter süßten ihre Stimmen. Hippokrates, Vater der Medizin, verschrieb Honig gegen Fieber, Wunden und Melancholie.
Im römischen Reich reiste Honig über Handelswege, süßte Wein, konservierte Früchte und bezahlte Schulden. Legionäre kannten ihn ebenso wie Mönche im Mittelalter, die in Klostergärten Bienen hielten und das „Gold des Herrn“ pflegten. Honig erleuchtete in dunklen Zeiten das Gemüt, als Trost in bitterer Nahrung, als Heilmittel gegen Seuchen und Kälte.
Dann kam der Zucker. Weiß oder braun, billig, industriell. Honig trat zurück, verlor seinen Platz auf den Tafeln der Reichen und blieb den Dörfern treu. Doch er verschwand nie. Denn irgendwo summte es weiter.
Echter Deutscher Honig (im DIB-Glas) auf dem Domplatz in Münster, u.a. mit Schwarzwälder Tannenhonig
Heute steht Honig im Supermarktregal, ordentlich etikettiert, doch in jedem Glas schlägt noch immer das Herz der Wildnis. Er erzählt von Blütenmeeren, von Sommerhitze und Regentagen, von der uralten Allianz zwischen Mensch und Biene. Wer den Deckel öffnet, öffnet nicht nur ein Glas — sondern eine Geschichte, die vor der Geschichte begann und mit jedem Löffel weitergeschrieben wird.
Bär (heute wohl eher Waschbär) auf der Jagd nach Honig. (pixabay, GDJ)
Honigsorten, Farben & Konsistenzen — Eine Reise durch das Reich der Süße
Honig ist kein einheitliches Produkt. Er ist ein Erzähler. Jedes Glas trägt die Handschrift der Landschaft, aus der er stammt, und flüstert von Blüten, Wäldern und Sommern. Öffnet man zwei Honiggläser nebeneinander, so öffnet man zwei Welten.
Die hellen Honige sind die Morgenstunden des Jahres. Akazienhonig — fast durchsichtig, wie flüssiges Licht — stammt aus lichten Auen und blüht nur kurz. Er bleibt lange flüssig, sanft, beinahe schüchtern im Geschmack. Rapshonig dagegen ist der Frühling selbst: strahlend weißlich, rasch kristallisiert, cremig gerührt. Er riecht nach frischer Erde und jungem Grün, nach Feldern, die gerade erst erwacht sind. Lindenhonig summt. Er duftet nach Sommerabenden, warmem Wind und leiser Minze — ein Honig, intensiver, der nicht flüstert, sondern singt.
Dann werden die Farben dunkler. Die Bühne wechselt vom Blütenmeer in den Wald. Wald- und Tannenhonige entstehen nicht aus Nektar, sondern aus Honigtau — winzigen, süßen Tropfen, die Blattläuse auf Nadeln und Blättern hinterlassen. Diese Honige sind geheimnisvoll: tiefbraun bis fast schwarz, würzig, malzig, mit einer mineralischen Kraft. Sie schmecken nach Moos, Rinde und Schatten, nach alten Bäumen und kühlen Nächten. Sie fließen zäh und schwer, als trügen sie die Zeit selbst in sich.
In Deutschland erzählt fast jede Region ihre eigene Honiggeschichte. Im Norden salzig-frisch vom Küstenwind geprägt, im Süden alpin und kräutrig, im Osten weit und blütenreich, im Westen waldig und herb. Jeder Jahrgang ist anders — Honig ist nie gleich, weil Natur nie gleich ist.
Eine einheimische neuseeländische Biene (vermutlich Leioproctus sp.) besucht eine Manuka-Blüte (Leptospermum scoparium). Foto aufgenommen auf der Insel Tiritiri Matangi.
Doch die Reise endet nicht an Landesgrenzen. In den Bergen Neuseelands wächst der Manuka-Strauch, dessen Honig wegen seiner starken antibakteriellen Wirkung beinahe legendär ist. In mediterranen Ländern sammeln Bienen Nektar von Thymian, Lavendel und Orangenblüten — diese Honige duften wie Sommerurlaube. In tropischen Regionen entstehen wilde Mehrblütenhonige, intensiv, fruchtig, manchmal rau und ungezähmt.
Rhododendron caucasicum. Kaukasischer Rhododendron. im Kaukasus
Manche Honige erzählen dunklere Geschichten. In abgelegenen Bergregionen sammeln Bienen Nektar von Rhododendren, deren Honig berauschend wirken kann — ein süßer Rausch, der seit Jahrhunderten Teil lokaler Mythen ist. Und in Mittel- und Südamerika arbeiten afrikanisierte Honigbienen, oft furchtlos und wehrhaft. Ihr Honig jedoch ist nicht aggressiv, sondern schlicht Honig — ein stiller Beweis dafür, dass Herkunft nicht über Geschmack urteilt.
Ob fließend wie warmer Sommerregen oder feincremig wie frisch gerührter Honig, ob hell wie Sonnenlicht oder dunkel wie Waldboden — Honig ist niemals nur süß. In jedem Glas steckt eine Landschaft, eingefangen in Farbe, Duft und Geschmack. Wer ihn kostet, begibt sich auf eine Reise: durch Blütenmeere und Wälder, über Wiesen und Berghänge, durch Jahreszeiten und Regionen. Und wer genau hinschmeckt, hört vielleicht noch lange nach dem letzten Löffel das leise Summen der Bienen, das von Sommer, Blüte und Zeit erzählt.
Honig wirkt auf den ersten Blick schlicht: goldfarben, süß, unschuldig. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt eine kleine Apotheke, verborgen in flüssiger Form. In jedem Tropfen lebt ein fein abgestimmtes Zusammenspiel aus Zuckern, Enzymen, Säuren, Mineralstoffen und Pflanzenstoffen — ein Rezept, das nicht in Laboren entstand, sondern über Millionen Jahre von Bienen und Blüten gemeinsam entwickelt wurde.
Die Hauptdarsteller heißen Glucose und Fructose, schnelle Energielieferanten, die dem Körper Kraft schenken. Doch im Hintergrund arbeiten leise Helfer: Enzyme, die die Bienen hinzufügen, verwandeln Zucker, senken den pH-Wert und schaffen ein Milieu, in dem sich viele Bakterien unwohl fühlen. Trifft Honig auf Feuchtigkeit, beginnt ein stilles chemisches Flüstern — winzige Mengen Wasserstoffperoxid entstehen, gerade genug, um Keime zu bremsen, ohne gesundes Gewebe zu reizen. Es ist eine sanfte Verteidigung, kein Angriff.
„Kiembe“, traditional honey stone used by several communities in kenya“ (traditionelle Honiggefäße in Kenia)
Seit der Antike wusste man um diese Kräfte. Ägyptische Priester legten Honig auf Wunden, griechische Ärzte verschrieben ihn gegen Entzündungen, und in mittelalterlichen Klöstern galt er als „flüssiges Heil“. Moderne Medizin bestätigt heute, was Erfahrung längst ahnte: Bestimmte Honige können Wundheilung fördern, Entzündungen lindern und das Wachstum von Keimen hemmen. In Kliniken wird speziell aufbereiteter medizinischer Honig eingesetzt — kontrolliert, steril und gezielt.
Hippokrates, Vater der Medizin, verschrieb Honig gegen Fieber, Wunden und Melancholie. Hier auf einem Wandgemälde (links)
Auch im Alltag wirkt Honig wie ein freundlicher Verbündeter. Ein Löffel im Tee beruhigt gereizte Kehlen, seine zähflüssige Textur legt sich schützend über Schleimhäute. Antioxidantien aus Blüten helfen, freie Radikale zu binden, während Mineralstoffe leise ihren Dienst tun. Honig heilt nicht alles — doch er unterstützt, begleitet, stärkt.
Eine Grenze bleibt wichtig: Für Säuglinge ist Honig tabu, da ihr Immunsystem noch nicht bereit ist für bestimmte Sporen. Auch das gehört zur Ehrlichkeit dieser Geschichte.
Honig ist kein Wundermittel. Aber er ist ein altes Versprechen: dass Süße nicht nur Genuss sein kann, sondern auch Fürsorge. Ein stiller Beweis dafür, dass Natur manchmal klüger heilt, als wir es je geplant hätten.
Verwendung in Speisen & Getränken
Honig auf Weltreise
Honig kennt keine Landesgrenzen. Er reist, ohne Koffer zu packen, von der Teetasse bis zum Festmahl, von der einfachen Bauernküche bis zur hohen Kunst der Pâtisserie. Überall dort, wo Menschen kochen, süßen, würzen und feiern, findet er seinen Platz — manchmal leise, manchmal glanzvoll im Mittelpunkt.
Am Morgen beginnt seine Reise bescheiden: auf einer Scheibe Brot, eingerührt in Joghurt oder Quark, als goldener Faden über warmem Porridge. Doch schon hier zeigt er Charakter. Ein milder Blütenhonig fließt sanft, während ein kräftiger Waldhonig dem Frühstück Tiefe verleiht. Honig ist kein Zuckerersatz — er ist ein Geschmacksträger, der mehr erzählt als bloße Süße.
Frühstück mit Honig (pixabay, StockSnap)
In Tassen und Gläsern entfaltet er eine neue Rolle. In heißen Tees beruhigt er Kehlen, in Milch wird er zum Trostgetränk. In Sommernächten verwandelt er sich in Limonaden, gemischt mit Zitrone, Kräutern oder Ingwer. Und wenn die Sonne tiefer sinkt, beginnt der Honig zu gären: Met, der Honigwein der Götter, begleitet Menschen seit Jahrtausenden. In Bieren schenkt er Wärme, in Cocktails verbindet er Säure und Alkohol zu Harmonie — ein stiller Dirigent im Glas.
Verschiedene Honiggetränke (v. l. n. r.): Honig-Wein, Met und Bärenfang; vorne u. a. ein Glas mit Blütenpollen
In der Küche wird Honig zum Verwandlungskünstler. Er umarmt Senf und Essig zu samtigen Dressings, verleiht Salaten Glanz und Tiefe. Auf dem Grill karamellisiert er Fleisch und Gemüse, bildet glänzende Krusten, die knistern und duften. In Marinaden trägt er Gewürze, bindet Aromen und sorgt dafür, dass Schärfe, Salz und Säure zueinanderfinden.
Hausgemachte Calabrese-Wurst mit Honig bei Tony’s of North Beach, Rohnert Park, Kalifornien Walnuss Baklava – natürlich mit Honig (pixabay, baklava7_de)
Beim Backen erzählt Honig alte Geschichten. Lebkuchen, Honigkuchen, Brot und Gebäck verdanken ihm Farbe, Feuchtigkeit und Haltbarkeit. Er lässt Krusten glänzen, Krümel saftig bleiben und Düfte entstehen, die Erinnerungen wecken. In vielen Kulturen ist Honig fester Bestandteil von Festen: zum jüdischen Neujahr wird Apfel in Honig getaucht als Wunsch für ein süßes Jahr; im Mittelmeerraum tränkt er Baklava und andere Süßspeisen; in Indien findet er sich in religiösen Ritualen ebenso wie in würzigen Saucen.
Backen mit Honig – Lebkuchenzutaten (pixabay, DarkTulip)
Doch Honig kann auch herzhaft. In asiatischen Küchen balanciert er Chili, Sojasauce und Knoblauch. In afrikanischen Gerichten mildert er Bitternoten, in südamerikanischen Rezepten verbindet er Früchte, Schärfe und Rauch. Überall passt er sich an — und bleibt doch er selbst.
Mango-Wels Taco – mit Honig (pixabay, platinumproperties1)
Honig verlangt Respekt. Zu große Hitze nimmt ihm seine feinen Nuancen, zu grober Einsatz übertönt seine Stimme. Wer mit ihm kocht, hört zu. Reduziert die Menge, passt Flüssigkeiten an, lässt ihm Raum.
Am Ende dieser Reise kehrt Honig immer zu seinem Ursprung zurück: zur Freude am Essen. Er ist Erinnerung und Experiment, Tradition und Neugier. Ein Löffel genügt, und die Welt wird ein wenig süßer — nicht nur im Geschmack, sondern auch in der Geschichte, die auf der Zunge bleibt.
Honig als kulinarisches Werkzeug
In der professionellen Küche ist Honig kein bloßer Süßstoff. Er ist Bindeglied, Aromenträger, Texturgeber und Balancierer. Köchinnen und Köche nutzen ihn dort, wo Zucker zu eindimensional wäre. Honig bringt Tiefe, Länge und Charakter — vorausgesetzt, man setzt ihn bewusst ein.
Frühstück & kalte Küche — Struktur und Balance
Honig strukturiert kalte Speisen, ohne sie zu dominieren. Sein natürlicher Invertzucker löst sich sofort, verbindet Fette und Säuren und verleiht Mundgefühl.
Salz, weißer Pfeffer
→ Honig und Senf verrühren, Essig einarbeiten, Öl langsam emulgieren. Ideal zu Bittersalaten, Spargel, Kohl.
Anwendung: Honig mildert Bitterstoffe (Chicorée, Radicchio) und verbindet Öl-Essig-Phasen stabil.
Getränke — Süße mit Funktion
Im Bar- und Getränkebereich ersetzt Honig Zucker nicht 1:1. Profis arbeiten mit Honigsirup (1:1 Honig + warmes Wasser), um Dosierung und Löslichkeit zu kontrollieren.
Rezept: Honigsirup (Basis)
200 g Honig
200 ml warmes Wasser
→ Verrühren, kühl lagern (1–2 Wochen haltbar).
Honig karamellisiert schneller als Zucker und eignet sich hervorragend für Glasuren und Marinaden. Entscheidend ist kontrollierte Hitze.
Rezept: Honig-Soja-Glasur (asiatisch inspiriert)
2 EL Wald- oder Blütenhonig
2 EL helle Sojasauce
1 TL Reisessig
1 TL geriebener Ingwer
→ Kurz aufkochen, glasierend auf Fleisch, Tofu oder Gemüse.
Anwendung: Balance von Süße, Salz und Säure; ideal für Grill und Pfanne. Geflügel, Gemüse, Tofu => Glasieren bei moderater Hitze
Backen — Feuchtigkeit, Farbe, Haltbarkeit
Honig bindet Wasser und verlängert Frische. Profis reduzieren Flüssigkeit um ca. 10–15 % und senken Backtemperaturen leicht.
Rezept: Honig-Dinkelbrot (Grundformel)
500 g Dinkelmehl
10 g Salz
20 g Honig
10 g Hefe
ca. 300 ml Wasser
→ Honig im Wasser lösen, klassisch führen. Ergibt saftige Krume, goldene Kruste.
Desserts — Tiefe statt Zucker
Honig trägt Aromen von Nuss, Karamell, Blüte. Besonders harmonisch mit Milchprodukten, Früchten und Nüssen.
Rezept: Joghurt-Honig-Creme mit Nüssen
400 g griechischer Joghurt
3 EL Akazien- oder Lindenhonig
Zitronenabrieb
Geröstete Nüsse
→ Kühl servieren, Honig erst zum Schluss einarbeiten.
Internationale Küche — Honig als Kulturträger
Mittelmeerraum: Baklava, Honig-Sesam-Gebäck
Naher Osten: Honig in Joghurt-Saucen, zu Käse
Asien: Honig in süß-scharfen Glasuren
Afrika & Amerika: Honig zur Abrundung von Schärfe und Rauch
Profi-Tipps
Honig immer sortenspezifisch wählen (mild vs. kräftig).
Hitze kontrollieren: unter 160 °C für feine Aromen.
Weniger ist mehr: Honig ist intensiver als Zucker. ca. 20–30 % weniger Honig als Zucker einsetzen
Honig ist in der Küche kein Ersatz — er ist ein Werkzeug. Wer ihn versteht, kocht nicht süßer, sondern präziser.
Das folgende (englische) Video zeigt in nur 5 1/2 Minuten so vielseitige Einsatzmöglichkeiten von Honig in herzhaften und süßen Gerichten, inkl. Rezepte von Halloumi über Hähnchen bis Kuchen, dass man es sich schon als reine Inspiration ansehen sollte, auch wenn man nicht jedes Wort versteht. (Dauer 5:24 min)
Und vom Kanal „Cooking with Honey“ (auch Englisch) hab ich nur ein Hünchengericht herausgepickt, weil ich toll fand, wie man dieses leckere Gericht in nur 2:44 min erklären konnte. Ihr könnt selbst dort im „Kanal“ auf youtube noch weiter in den Rezepten stöbern:
Honig-Rezepte allgemein (von Salat über Backen bis herzhaft, chefkoch.de) – inspiriert euch dort einfach
Falls jemand noch tolle Rezeptsammlungen für Honigrezepte hat, dann bitte eine Nachricht an mich dazu schreiben – mit Link. (möglichst größere Sammlungen, deren Link sich wahrscheinlich langfristig nicht ändert)
Runde Stickerz.B. für Honigglas o.ä. Geeignet für 4cm Durchmesser. Der mit größerem Rand ist direkt für Bestellung in einer Druckerei (z.B. online), mit 2mm „Beschnitt-Rand“ und 2mm „Sicherheitsabstand“ des Textes vom Rand (nach Beschnitt) – Mit „Klick auf jeweiligen Sticker“ kommt ihr zur Datei mit der höheren Auflösung für eigenen Druck oder für Druckerei-Auftrag.